Die Kamera isst zuerst

mit einem Food Blogger zusammen sein, heißt es wird viel fotografiert

„Die Kamera isst zuerst!“

Ups & Downs aus dem Alltag mit einem Food Blogger

 

Ich könnte das ja nicht… mit einem Food Blogger zusammen sein… die ungewollte Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit wäre mir egal, aber dafür bin ich einfach zu ungeduldig und hab eine zu genaue Vorstellung von dem, was ich essen möchte.

Foto schießen von veganer Biskuitrolle

 

Wovon ich eigentlich rede und worum es heute gehen soll.

Naja, ich blogge über Food, mache Posts zu Rezepten, zu Restaurants, in denen ich essen war und zum Essen auf Reisen. Ich bin in einer Beziehung. Mein Freund bloggt nicht über Essen, ist aber als mein Freund bei dem Thema nicht ganz außen vor. Daher geht es heute darum, was es für ihn bedeutet, dass ich einen Food Blog betreibe, dass er mit einem Food Blogger zusammen ist. Es wird darum gehen, was er deshalb tagein tagaus „erdulden“ muss, aber auch welche Vorzüge er deshalb genießen darf. Weiterhin erkläre ich, warum ich nicht an seiner Stelle sein könnte.

Fangen wir mal mit dem Bloggen im Allgemeinen an, denn daraus ergeben sich direkt einige Vor- und Nachteile für den Beteiligten.

 

So entstehen meine Blogeinträge.

Um regelmäßig Rezept-Blogs auf dem Blog zu veröffentlichen, fotografiere ich nicht einfach das, was wir sowieso essen. Es bedeutet, dass ich mir zunächst überlege, welches Rezept/welche Rezepte als nächstes kommen sollen. Das hängt ab von der Jahreszeit/Saison, aktuellen Food Trends und bisher veröffentlichten Beiträgen (Abwechslung schaffen/ eine Serie fortführen).

Das Essen allein reicht aber nicht, Food Fotos müssen einfach zum reinbeißen aussehen. Daher ist die Komposition wichtig. So überlege ich mir die Präsentation des Essens und das Drumherum, noch bevor es ans Kochen geht.

Im nächsten Step koche ich die neuen Kreationen (manchmal mehrmals, bevor das Rezept es auf den Blog schafft), dabei werden Mengenangaben und Arbeitsschritte notiert. 

Ist das Gericht so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe (geschmacklich und optisch), baue ich mein Foto-Set auf: Untergrund, Hintergrund, Licht, Deko und schieße drauf los, wenn möglich unterschiedliche Motive. Natürlich alles noch bevor gegessen werden kann. Das dauert zwischen 3 und 15 Minuten, je nachdem wie schnell ich Fotos im Kasten habe, die meinen Ansprüchen genügen.

Alles, was ich koche wird natürlich auch gegessen! Ich bereite essen nie nur für das Foto zu. Und damit kann auch endlich gegessen werden.

 

Indisches veganes Curry mit Kichererbsen

 

Was bedeutet es, mit einem Food Blogger zusammen zu sein?

Ich nehme an, ihr könnt euch nun schon denken, was das für den anderen in Bezug auf das Essen für den Blog bedeutet:

  • kein Mitspracherecht bei dem, was auf den Tisch kommt.
  • es gibt häufig etwas Neues zu essen.
  • es kann nicht sofort gegessen werden, wenn das Essen fertig ist.
  • der Hunger muss warten / die Kamera isst zuerst!
  • eventuell ist das Essen bereits kalt, wenn man mit der Gabel zuschlagen darf.
  • man wird bekocht.

Nicht alles toll, nicht alles doof, je nachdem, was für ein Typ Mensch man ist.

 

 

Wie geht mein Freund mit dem Thema um?

Ich habe mir das natürlich ausgesucht, aber mein Freund hat sich nicht bewusst entschieden, ein Teil eines Food Blogs zu sein. Und dennoch, mit mir braucht er Geduld, eine Toleranz dafür, dass er unter Umständen nicht gefragt wird, was es zu essen geben soll und Offenheit für Neues.

Er könnte genauso gut aber sagen, er will damit nichts zu tun haben und isst einfach sein eigenes Essen. So ist es zum Glück nicht. Mein Freund bringt all die oben genannten Eigenschaften mit. Er isst genau wie ich sehr gerne, hat aber einen geringeren Bedarf, bei jeder Essensentscheidung eingebunden zu werden, als es bei mir der Fall ist. Häufig ist er sogar dankbar, wenn er nicht immer mitreden soll. Außerdem probiert er gerne Neues aus und freut sich darüber, bekocht zu werden.

Tatsächlich brauche ich das auch von ihm. Könnte er sich nicht für Essen begeistern, ja vor allem für das von mir gekochte Essen, hätte ich selbst keinen Spaß daran. Denn ich will seine Meinung hören, möchte mit ihm diskutieren, ob das Gericht lecker geworden ist, was daran gut schmeckt, wie man das Rezept noch besser machen kann.

Daher bin ich ihm so dankbar, dass er die Geduld und die nötige „Mir egal“-Einstellung mitbringt, um das alles zu „ertragen“. Gerade, weil ich weiß, dass ich das nicht könnte, ich könnte nicht als Nicht-(Food) Blogger mit einem Food Blogger zusammen sein. Ich bin nämlich jemand mit einer starken Meinung zu Essen. Wenn ich gerade keine Lust auf ein Gericht habe, dann will ich das auch wirklich nicht essen. Außerdem tendiere ich zur „Hangryness“. Das soll heißen, wenn ich zu lange hungrig bin und nichts bekomme, schlägt das auf die Stimmung. Und ich will mein Essen heiß essen! Klar, auch ich bekomme es durch die Fotos nicht immer heiß, aber ich mache das ja für mich. Wenn ich nun wegen jemand anderem lauwarmes oder kaltes Essen essen sollte… ich weiß ja nicht.

Insofern sage ich ihm natürlich oft, dass ich froh bin, dass er da so tolerant ist, und dass ich es nicht für selbstverständlich halte.

 

mit einem Food Blogger zusammen sein, heißt, dass Instagram sehr viel genutz wird.
mit einem Food Blogger zusammen sein, heißt, dass Instagram sehr viel genutz wird.

 

Vorteile davon, mit einem Food Blogger zusammen zu sein.

Aber es ist natürlich nicht in jedem Punkt ein Nachteil, einen Food Blogger an seiner Seite zu haben. Wie gesagt, das Kochen für die Rezept-Posts übernehme ich und auch sonstiges Kochen liegt häufig an mir. Ich mache es gerne und meine bessere Hälfte muss sich in diesen Fällen um nichts kümmern.

Auch immer wieder Neues zu probieren, hat sein Gutes. Der Speiseplan ist abwechslungsreicher und man entdeckt unter Umständen neue Vorlieben. Naja und man muss sich zumindest an den Blog-Koch-Tagen nicht mit der Frage befassen, was auf den Tisch kommen soll.

 

Kurzer Disclaimer zwischendurch
Natürlich gibt es auch viele Tage, an denen nur ganz normal für den sofortigen Verzehr und ohne Rücksicht auf Fototauglichkeit gekocht wird. Unter der Woche wird gekocht, wonach uns der Sinn steht und oft auch schnelle, einfache, manchmal unbesondere Gerichte.

 

mit einem Food Blogger zusammen sein, heißt es wird viel fotografiert

 

Um das war noch nicht alles…

Neben den oben genannten Einflüssen auf unser Essen und Leben, kommen noch die folgenden Punkte dazu:

  • Es muss immer wieder Platz im Schrank für neues Geschirr gemacht werden.
  • Fotoequipment und Fotodeko wollen auch irgendwo verstaut werden.
  • Essen spielt eine große Rolle und es ist häufig etwas Gekochtes da, eine Diät zu halten, wäre dabei nicht so einfach.
  • Wenn unterwegs gegessen wir, muss natürlich auch alles abgelichtet werden, das führt immer wieder zu ungewollter Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.
  • Instagram wird sehr viel genutzt.
  • Auf Reisen muss das Bloggen auch mit eingeplant werden (Stops in Restaurants, Fotos im Supermarkt).
  • Eventuell auch mal mithelfen (etwas halten, Fotos machen).

 

mit einem Food Blogger zusammen sein, heißt dass man viel Geschirr im Hause hat.
mit einem Food Blogger zusammen sein, heißt dass man viel Geschirr im Hause hat.

Es gibt sicherlich deutlich unangenehmere Hobbies für den Partner und wie bei allem, das einen festen Platz im Alltag hat, ist es auch beim Bloggen so, dass man sich zusammen einspielt und natürlich abspricht. Insofern habe ich die Dinge wahrscheinlich etwas „dramatischer“ geschildert, als es dann tatsächlich ist. Dennoch bin ich froh, da jemanden zu haben, der mich sehr unterstützt.

Könntet ihr mit mir als Food Blogger zusammen sein? Ich habe ja schon gesagt, dass ich beim Essen zu eigen bin, um mich da doch recht stark nach jemand anderem richten zu wollen… Seid ihr selbst Food Blogger und habt ähnliche Erfahrungen gemacht und „Probleme“ erlebt?

Hört sich das für euch alles ganz schrecklich an oder eigentlich gar nicht so wild?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.